Freitag, 18. Oktober 2013

DIY: mini-garden in a jar

Seit Wochen geistert in meinem Kopf die Idee herum, einen Flaschengarten anzulegen, dessen Deckel ich nach dem Verschließen nicht mehr öffnen muss, weil sich in der Flasche ein System entwickelt, das sich selbst versorgt. Dass sowas funktionieren kann weiß ich schon seit dem Kindergarten. Nachdem ich also ein paar Tage recherchiert und Biologen befragt habe, wusste ich dann auch, wie genau ein sogenanntes autarkes System funktioniert und was man beim Anlegen eines Flaschengartens beachten muss. Und heute kann ich euch endlich meine kleinen Moosterrarien mit Pilzen aus Modelliermasse zeigen, die auch einiges in Sachen Herbstdekoration hermachen :)


So funktioniert ein autarkes System:
Vier Komponenten müssen vorhanden sein, damit ein Kreislauf entsteht, durch den Pflanzen im abgeschlossenen Glas überleben können: Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze, Wasser, Nährstoffe und Licht. Das Licht fällt tagsüber von außen durch das Glas auf die Pflanzen. Die Pflanzen benutzen die Lichtenergie, um aus dem Kohlenstoffdioxid im Glas Zucker und Sauerstoff zu produzieren. Das nennt sich dann Photosynthese und den Begriff kennt ihr sicher alle aus der Schule ;) Den Zucker benutzen die Pflanzen für das eigene Wachstum. Sauerstoff und abgestorbene Pflanzenteile werden von Bakterien verstoffwechselt, wodurch diese Energie gewinnen und Kohlenstoffdioxid frei wird.  Nachts dreht sich das System um: die Pflanzen nutzen einen Teil des Sauerstoffs um etwas von dem tagsüber gewonnenen Zucker in Energie umzuwandeln wobei wieder Kohlenstoffdioxid frei wird, auch Photorespiration genannt. Das von den Pflanzen transpirierte Wasser setzt sich als Beschlag an den Glaswänden ab und fließt wieder zurück in die Erde. Laufen alle diese Dinge problemlos ab, entsteht ein geschlossener Kreislauf, dem man von außen (außer Licht) nichts mehr zuführen muss.
 

Folgende Materialien braucht ihr für ein Moosterrarium:
  • ein Gefäß aus Glas, das luftdicht abschließbar ist
  • Kieselsteine
  • Erde
  • Aktivkohle
  • getrocknetes Moos (z.B. von Depot)
  • Moos (aus dem Wald)
  • lufttrocknende oder ofenhärtende Modelliermasse (z.B. von Fimo oder von Creall)
  • Steckdraht

So geht´s:
1.  Aus der Modelliermasse formt ihr kleine Pilze, dessen Stiele ihr mit Steckdraht stabilisiert. Je nachdem was für eine Modelliermasse ihr habt, kommen die fertigen Pilze entweder für ein paar Minuten in den Ofen oder ihr müsst sie an der Luft trocknen lassen. Ich habe eine luftrocknende Modelliermasse benutzt und habe meine Pilze etwa 24 Stunden trocknen lassen.


2. Wie viele Pilze ihr macht, ist natürlich euch überlassen. Eine alte Floristenregel besagt ja, dass man Blumen oder Ähnliches immer in ungerader Zahl arrangieren soll. Nach dieser Regel sehen also drei bzw. fünf oder sieben Pilze in einem Glas am schönsten aus ;)


3. Als nächstes befüllt ihr die Glasgefäße in mehreren Schichten. Nach ganz unten kommt eine Schicht Kieselsteine. Diese dient als Drainage, damit überschüssiges Wasser aus der Erde nach unten ablaufen kann. Darauf eine Schicht getrocknetes Moos. Als nächstes vermischt ihr die Erde mit ein wenig Aktivkohle. Die Aktivkohle absorbiert Substanzen, die von den Mikroorganismen und Pflanzenwurzeln abgegeben werden und möglicherweise giftig sind. Die Erde kommt auf das getrocknete Moos, welches verhindert, dass Erde nach unten zu den Steinen rießelt. Zum Schluss kommt das noch lebendige Moos auf die Erde. Wenn ihr mögt, könnt ihr zuvor noch die Erde ein wenig hügelig gestalten, denn dann liegt das Moos nicht nur flach auf, sondern bildet auch kleine Hügel. Nun befeuchtet ihr das Moos entweder vorsichtig mit einer kleinen Gießkanne oder noch besser mit einer Sprühflasche.


4. Sobald die Pilze getrocknet sind, könnt ihr sie mithilfe des Steckdrahtes ganz einfach in das Moos setzen. Deckel drauf und dann heißt es abwarten und beobachten! Euer Flaschengarten kann nämlich nur überleben, wenn der richtige Feuchtigkeitsgrad im inneren der Flasche erreicht ist. Beobachtet dazu die Glaswand des Gartens. Ihr habt ein Gleichgewicht in eurer Flasche erreicht, wenn die Glaswand morgens beschlagen und gegen Mittag wieder trocken ist. Ist es dauernd beschlagen, dann öffnet den Deckel wieder, bis genügend Feuchtigkeit verdampft und aus der Flasche ausgetreten ist. Sind die Glaswände weder morgens noch abends beschlagen, dann müsst ihr noch ein wenig Feuchtigkeit zuführen.


Es gibt Fälle, in denen überleben Flaschengärten seit 40 Jahren und wachsen munter vor sich hin, ohne dass die Flasche in den 40 Jahren ein einziges Mal geöffnet worden wäre. Ob das mit meinen Moosterrarien auch der Fall ist, wird sich zeigen ;) Ich finde die Flaschengärten super hübsch und könnte sie mir auch gut als Weihnachtsgeschenke vorstellen. Dann vielleicht mit Pilzen aus weißer Modelliermasse mit goldenem Hut? Bis zur Weihnachtszeit wird sich hoffentlich zeigen, ob das Moos mit seiner neuen Umgebung einverstanden ist und pflegeleicht weiter vor sich hin gedeiht =)

Kommentare:

  1. Ich mag deinen Blog, weil es hier immer DIY der etwas anderen Art zu sehen gibt, die man sonst meist noch nirgendwo gesehen hat. Sehr toll :)
    Auch die diese Idee ist mal wieder echt schön.
    Viele Grüße,
    Goldengelchen

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  2. Was für eine tolle Idee! Hab ich mir gleich mal als künftige Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke gespeichert. :)

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  3. Auf jeden Fall eine sehr coole Sache! Und gleichzeitig schaut das ganze so schön dekorativ aus :-)
    Ich war früher ja auch immer total von diesen kleinen Urzeitkrebsen fasziniert, die in diesen abgeschlossenen Glaskugeln nur durch das Einstrahlen von Licht überlebten!

    Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende
    Lupa

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  4. Wow, das ist eine echt coole Idee! Vielleicht wäre das was für mich, die kann ich dann nicht zu Tode pflegen :D (ich hab' leider sowas von gar keinen grünen Daumen :( ...).

    Liebe Grüße,
    Mareike

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  5. Das sieht wirklich super aus. Besonders gut ist natürlich, dass man nichts tun muss, weil sich die Pflanzen ja selbst versorgen.

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  6. O.O Ich will auch! Da werde ich mich doch mal in den Ferien dranmachen (:

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  7. Eine ganz tolle Idee! Vielen Dank dafür!

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  8. Eine zauberhafte Idee!!!
    Alles Liebe
    Laura
    http://laurassterne.blogspot.de/

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  9. Supertolle Idee und ich bin sehr versucht. Aber BITTE nicht einfach Moos aus dem Wald nehmen, denn:

    "Durch die intensive Forstwirtschaft und Landwirtschaft (z.B. Totholz-Beseitigung), Reduzierung von Feuchtgebieten, Schadstoff-Immissionen und dem Absinken des Grundwasserspiegels sind viele Moose in ihrer Existenz gefährdet und stehen unter Naturschutz.

    Auskunft über den aktuellen Gefährdungsgrad der verschiedenen Moos-Arten in Deutschland geben die Rote Liste für gefährdete Pflanzen vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn (Nordrhein-Westfalen) oder die Roten Listen der Landesämter für Natur und Umweltschutz in den jeweiligen Bundesländern."
    (http://www.garten-treffpunkt.de/lexikon/moose.aspx)

    Im Internet kann man diverse PDFs mit roten Listen eines Bundelandes runterladen:
    hier zum Beispiel das von MV: http://www.lung.mv-regierung.de/dateien/rote_liste_moose.pdf
    BW: http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/50115/rote_liste_artenverzeichnis_moose.pdf?command=downloadContent&filename=rote_liste_artenverzeichnis_moose.pdf&FIS=200
    berlin: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/downloads/artenschutz/rotelisten/08_moose_print.pdf

    viele Gärtnereien bieten aber lebendiges Moos zum Verkauf... Auch einfach mal im Blumenladen fragen... Ich weiss von einigen Förstern, dass massives Moosentnehmen von vielen Wanderern echt nicht zu unterschätzende Schäden nach sich zieht...

    Aber ich werd das auch mal versuchen....

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  10. Was ist aktivkohle ? :))

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    1. Das ist so ein Pulver, dass Pilz- und Bakterienwachstum verhindert, damit sich in der Erde keine schädlichen Stoffe ansammeln, die von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden und dann den Pflanzen schaden.

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  11. Hallo Sari,
    ich habe mich total in diese Idee verliebt und deine Umsetzung ist einfach traumhaft schön. Wie lange hat denn dein kleiner Garten überlebt?

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    1. Huhu :) ich glaube, so 2 Monate sah es gut aus, das Moos ist auch ein wenig weiter gewachsen, dann hatte ich aber leider eine kleine Invasion Trauermücken, die sich in der Erde eingenistet und die Pflanzenwurzeln beschädigt haben. Da war dann nichts mehr zu machen und ich musste den Minigarten entsorgen :( Man muss wirklich darauf achten, hochwertige Erde zu nehmen, die nicht mit Trauermückenlarven kontaminiert ist. Dann hat man vielleicht länger Freude daran :) Ich wünsch dir viel Erfolg, falls du es umsetzt!

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    2. ...das war dann bei dir wohl natürlichliche Auslese ;)
      Vielen Dank für deine Auskunft!
      liebe Grüße,
      petitIndien

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