Dienstag, 22. Oktober 2013

Canada - Exploring the West // Part 3

Heute geht es weiter mit Woche 3 unserer Kanadareise, die uns aus den verlassenen Gegenden Südalaskas einmal quer durch British Columbia in einen der größten Nationalparks Westkanadas, nach Jasper führte.

Drei Tage lang nahmen wir uns Zeit, diese 1000km zurückzulegen. Unterwegs trafen wir vor allem eines: die sogenannten logging trucks. Da die Holzindustrie einer von Kanadas größten Wirtschaftszweigen ist, begegneten uns massiv beladene Trucks mit meterlangen Baumstämmen fast schon im Minutentakt.


In diesen drei Tagen hatten wir auch ein wenig mit dem Wetter zu kämpfen. Es regnete fast ununterbrochen, so dass wir mehr oder weniger in unserem Auto gefangen waren und uns die Zeit mit Lesen anstatt mit Wandern vertrieben. Leider blieb uns so auch ein Blick auf den höchsten Berg der Kanadischen Rocky Mountains, den Mount Robson, verwehrt. Da dessen Spitze statistisch gesehen aber sowieso an 2 von 3 Tagen in den Wolken verborgen ist, hielt sich unsere Enttäuschung in Grenzen ;) In den wenigen regenfreien Minuten drehten wir kurze Runden entlang des Fraser Rivers, dessen helltürkise Färbung, die von Gletschersedimenten verursacht wird, immer schön anzuschauen war. Gleichzeitig kamen wir zum ersten mal mit dem karamellartigen Duft des Harzes von Engelmannfichten in Kontakt. Oh wie ich diesen Duft vermisse! Holzig würzig, gleichzeitig süß, aber angenehm zurückhaltend wehte er uns immer mal wieder um die Nase. Wie gerne hätte ich diesen Duft eingepackt und mit nach Hause gebracht =)


Nach drei Tagen Fahrt kamen wir im Jasper Nationalpark an, zum wohl ungünstigsten Zeitpunkt des Jahres: das Labour-Day-Wochenende stand bevor! Ich will nicht übertreiben, aber so ziemlich jeder Kanadier packt anscheinend an diesem Wochenende seine Familie ein und verbringt das verlängerte Wochenende in einem Nationalpark. Dementsprechend waren alle Campingplätze restlos ausgebucht. Ohne Reservierung ging dort nichts mehr. Glücklicherweise öffneten die Parkbetreiber einen sogenannten Overflow-Campground. Das ist im Prinzip ein großer Platz ohne vorgegebene Standflächen, ohne Feuerstellen, ausgestattet nur mit Plumpsklos und großen Wassertanks. Obwohl das einer unserer spartanischsten Unterkünfte war, war es auch eine unserer schönsten. Wir fanden nämlich einen Platz zwischen Bäumen, etwas abseits von den großen Wohnmobilen und mit einem herrlichen Blick auf ein Bergpanorama, das bei Sonnenuntergang zu glühen anfing. Wir saßen auf zusammengesammelten Holzstämmen und Steinen, es war warm und trocken und wir konnten die geplanten drei Nächte in Jasper mit viel Platz um uns herum genießen. Einzig eine Dusche hat wirklich gefehlt... immerhin ermöglichte uns dieser Mangel den Besuch einer Heißen Quelle, die mit 40°C Wassertemperatur (schon heruntergekühlt!) kaum auszuhalten war :D


Der Jasper Nationalpark ist relativ touristisch ausgelegt. Es gibt unzählige Wanderwege unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und viele gut erschlossene "Highlights", wie zum Beispiel der Maligne Canyon, den ihr auf den unteren Bildern sehen könnt. Man kann sich Pferde mieten und die Wanderwege abreiten, im Winter kann man Ski- und Schlittschuhfahren. Es gibt ein kleines Städtchen mit einigen süßen Cafés und Restaurants. Jedoch spürt man überall, dass all diese Dinge nur für Touristen aufgebaut und angelegt worden sind. Hinter der Ortschaft liegt keine Geschichte und keine Jahrhunderte lange Entwicklung. Daher wirkt alles etwas übertrieben und kitschig. Trotzdem war es schön, mal wieder durch eine Fußgängerzone zu laufen und einen halben Tag gemütlich im Waschsalon zu verbringen ;)


Eine Tageswanderung führte uns auf den Hausberg Jaspers, den "Whistlers". Bei strahlendem Sonnenschein kämpften wir uns 1000 Höhenmeter nach oben. Oben angekommen begrüßte uns leider nicht die typische kanadische Einsamkeit, sondern die Bergstation der Seilbahn, die alle 7 Minuten massig Touristen ausspuckte, die von da aus die letzten zweihundert Höhenmeter bis zur Spitze des Whistlers in Angriff nahmen. Manche dieser Touristen waren was das Equipment angeht besser ausgestattet als wir... obwohl man es uns also nicht ansah, waren wir trotzdem mächtig stolz, dass wir uns nicht von der Seilbahn auf den Berg kutschieren lassen haben, sondern die Strecke mit unseren eigenen Beinen gemeistert hatten. Und das ohne Hightech-Funktionskleidung und Aluminium-Carbon-wasweißich-Wanderstöcken ;)


Unseren letzten Tag im Jasper Nationalpark verbrachten wir an dessen größtem See, dem Maligne Lake. Dieser liegt zwar vor einem wundervollen Bergpanorama, ist aber auch eine beliebte Anlaufstelle für Touristen, was ihm meiner Meinung nach dann doch ein bisschen den Zauber nimmt. Bereut haben wir unsere Fahrt dort hin allerdings überhaupt nicht, denn auf dem Rückweg ging endlich ein Wunsch in Erfüllung, den wir seit unseren Bärenbegegnungen in Alaska hegten: wir konnten einen Grizzly beobachten! Und zwar nicht nur irgendeinen, sondern ein Prachtexemplar, das sich nahe der Straße in einem Fluß abkühlte, dort ein kleines Nickerchen machte und sich schließlich absolut adrett nahe des Flussbettes ins Gras legte, die Vorderpfoten übereinanderschlug, seine zentimeterlangen Krallen zeigte und fast schon gelangweilt für die Fotografen possierte =)


Im Nachhinein betrachtet war Jasper der Nationalpark, aus dem ich am wenigsten mitnehmen konnte. Vielleicht lag es aber auch am Labour-Day-Wochenende und den vielen Urlaubern, die den kompletten Nationalpark vollkommen überrannt erschienen ließen. Noch drei weitere Nationalparks besuchten wir auf unserer Reise. Mehr dazu dann das nächste Mal =)

Kommentare:

  1. Deine Berichte sind echt toll, so schön ausführlich und aussagekräftig. Und die Bilder! Der Bär! So schön!
    Ich muss auch mal nach Kanada... :)
    Liebe Grüße, Goldengelchen

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  2. Wow wunderschöne Fotos! Ich muss unbedingt nach Kanada :)

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  3. Wirklich schöne Bilder, scheint ja doch wirklich ein gelungener Aufenthalt gewesen zu sein :D

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  4. Sehr schöne Bilder! :) hab sie ja teilweise schon auf Instagram sehen können. Kanada steht auf jeden Fall auch auf meiner Reiseliste.

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